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Die Österreichische Dramatikerinnen Dramatiker Vereinigung
ÖDV 1993-1999


Beantwortung einer Frage

Was ist, was will die ÖDV?
Es hat in letzter Zeit immer wieder Kritik an der ÖDV und ihrer Führung gegeben. Wir, der Vorstand der ÖDV und ich, als Geschäftsführer, möchten uns dieser Kritik stellen. Mein Essay ist ein kleiner Beitrag zur internen Diskussion um die ÖDV. Damit die ÖDV aber weiterhin aktiv bleibt und bleiben kann, müssen wir alle weiter gemeinsam an einem Strang ziehen. Das bedeutet nicht Kritiklosigkeit, nein, das bedeutet Solidarität, Engagement und konkrete Mitarbeit. Die ÖDV ist als Interessenvertretung so stark wie ihre Mitglieder.
Alle sind gefordert!


1. Vorbemerkung

Warum gibt es die ÖDV?
Die Geschichte einer Interessenvertretung der österreichischen DramatikerInnen ist eigentlich eine lange. Seitdem es die IG Autorinnen Autoren gibt (1971), hat es in deren Umfeld auch immer wieder Versuche gegeben, eine IG DramatikerInnen zu gründen, die aber – wie wir wissen– alle gescheitert sind. Es hat, so weiß ich heute, kein wirkliches Interesse der Führung der IG Autorinnen Autoren gegeben.
Die Geschichte der Österreichischen Dramatiker Vereinigung ist trotzdem kurz erzählt, sie ist zum Teil auch meine eigene Geschichte. Erstmals bin ich 1988 mit der Misere der österreichischen Gegenwartsdramatik konfrontiert worden, als ich für meine politische Farce Amnesis einen geeigneten Theaterraum zu günstigen Bedingungen suchte. Nach mühsamen Wegen kam es schließlich zu einer Zusammenarbeit mit dem Dramatischen Zentrum Wien, das anfangs für mich eine Hoffnung bedeutete, bis ich erkannte, dass es eigentlich bereits ein Auslaufmodell war.
Seitdem habe ich mich immer wieder bemüht, eine Interessenvertretung der österreichischen Dramatiker/innen aufzubauen, um den allgemeinen Missständen eine Organisation entgegenzusetzen, die diese durch unterschiedliche Projekte beseitigen hilft.
Der erste wichtige Schritt war, als sich im Herbst 1992 etwa 20 DramatikerInnen zusammensetzten, und einem Arbeitsteam, nämlich Helmut Butterweck, Gerhard Ulbrich und mir, den Auftrag gaben, alles Notwendige zu tun, um einen entsprechenden Verein zu gründen.
Nach beinahe einem halben Jahr Vorbereitungsarbeiten fand am 21.5.1993 die konstituierende Generalversammlung statt. Ich wurde zum Obmann gewählt und vom Vorstand einstimmig zum Geschäftsführer der Österreichischen Dramatiker Vereinigung bestimmt. Nur mein Job als Herausgeber des Stückebörsekatalogs (gemeinsam mit Gerhard Ruiss) ermöglicht es mir bzw. der ÖDV, für alle administrativen und organisatorischen Aufgaben ein Büro mit der notwendigen Infrastruktur (Computer, Telefon, Fax, Kopierer etc.) zur Verfügung zu haben, eine unabdingbare Voraussetzung professioneller Arbeit im Sinne der Programmatik der ÖDV. Soviel zur Vereinsgeschichte und -gegenwart.


Warum also gibt es die ÖDV?
Ich glaube einfach aus zwei Gründen: einerseits, weil die Situation der DramatikerInnen so schlecht war und ist, wie lange nicht zuvor und sozusagen nach Strohhalmen schreit, andererseits weil sich einige zusammengefunden haben, die auch bereit waren und sind, sich zu engagieren und eigene schriftstellerische bzw. berufliche Tätigkeit zeitweise zurückzustellen, um die notwendigen organisatorischen Maßnahmen zu treffen, um die beschriebene Situation zu ändern.


2. Was kann, was will die ÖDV?
Die ÖDV hat sich 1993 ein Programm gesetzt: einerseits Interessenvertretung und andererseits Veranstalter zu sein – aus dem Grundsatzprogramm:
Die Österreichische Dramatiker Vereinigung vertritt die beruflichen, rechtlichen und sozialen Interessen der österreichischen DramatikerInnen. Zielsetzung ist es, eine aktive Berufsvertretung zu organisieren, Betreuung und Beratung zu koordinieren sowie wichtige und notwendige Akzente im Bereich der österreichischen Gegenwartsdramatik, insbesondere in Bezug auf die derzeitige Kulturpolitik, zu setzen. Die Verbesserung des Klimas zwischen allen am Theater Beteiligten und den österreichischen Dramatiker/inne/n ist ein zentrales Anliegen.

Ziel war und ist es, mehrere funktionierende Schnittstellen zwischen den Autor/inn/en und den Theatern zu etablieren. Auf allen Ebenen, der theoretischen, diskursiven ebenso wie der praktischen, sollen die AutorInnen ins Gespräch bzw. in konkrete Zusammenarbeit mit allen bei den Theatern Beschäftigten (RegisseurInnen, SchauspielerInnen, BühnenbilderInnen etc.) gebracht werden.
Wir wissen zu wenig voneinander, hat Johanna Tomek in ihrem Referat in Klagenfurt über das Verhältnis von AutorInnen und den Theatern gesagt. Diese Informations- und Vermittlungsarbeit wollen wir leisten, sie steht im Mittelpunkt aller literarischen und theatralischen Unternehmen der ÖDV. So spannen unsere Projekte den Boden von der Diskussion (Dramatisches Café, DramatikerInnen-Kongress), über die theatertheoretische und theaterpraktische Arbeit (DramatikerInnen-Werkstatt und Theater-Werkstatt) bis hin zu Werkstatt-Aufführungen. Den letzten Schritt wollen wir aber vorerst nicht machen.
Schlussendlich soll den Theatern nicht ihre (subventionierte) Aufgabe abgenommen werden, mehr Stücke österreichischer Gegenwartsdramatiker/innen zu entdecken und aufzuführen.
Es geht also darum, mit unseren Projekten ein positives Klimas schaffen, in dem die DramatikerInnen wiederum zu Gesprächspartnern, ja zu MitarbeiterInnen der Theater werden – die Integration der AutorInnen in die Theater ist ein zentrales Anliegen der ÖDV. Mit den Theatern gemeinsam wären die Forderungen unserer Interessengemeinschaft (z.B. die einer Mindesttantieme) auf lange Sicht sicher nach und nach durchzusetzen, gegen sie schwer.
Als Interessenvertretung sichert die ÖDV Information und Beratung über Preise und Wettbewerbe, Umgang mit den Theatern (insbesondere den DramaturgInnen), den Verlagen etc. in ihren Aussendungen (4-5mal pro Jahr), in ihren Werkstätten (direkt durch Autor/innen, durch DramaturgInnen und RegisseurInnen, SchauspielerInnen etc.) und in ihren Diskussionsveranstaltungen (z.B.: bisher vier Dramatisches Cafés) sowie laufend durch telefonische Auskunft und schriftlichen Korrespondenz.
Ein wesentlicher Aspekt bei all unseren (internen) Aktivitäten ist es, dass die DramatikerInnen zum Gespräch zusammenkommen, ihre Isolation beenden, um gemeinsam ihre Probleme und Wünsche offen diskutieren – das ist ein erster, wichtiger Schritt zur Erhebung und letztlich zur Realisierung von gerechtfertigten Forderungen.
Neben dem internen Dialog aber gibt es auch eine zweite, wichtige Ebene, nämlich der, nennen wir es so, Aus- und Weiterbildung. Bert Brecht sagte einmal, auch Dramatiker müssen lernen. Mit unseren unterschiedlichen Werkstätten leisten wir, glaube ich, einen wichtigen Beitrag zur Förderung des dramatischen „Handwerks“.


3. Warum ist die Arbeit der ÖDV erfolgreich?
Es wäre vermessen von mir, diese Frage zu beantworten, aber es wäre unklug, sich ihr nicht zu stellen. Ich entgegne also mit einer kurzen Bilanz unserer Tätigkeit:
Wir haben bisher 11 Veranstaltungen organisiert, in deren Verlauf mehr als 20 österreichische GegenwartsdramatikerInnen öffentlich präsentiert wurden sowie etwa 25 DramatikerInnen sich in Werkstätten mit dem dramatischen und theatralischen Handwerk theoretisch und praktisch auseinandergesetzt haben. Insgesamt waren bei diesen Veranstaltungen etwa 150 Personen beschäftigt und ein Publikum von etwa 1500 Personen anwesend. Das alles mit einem Gesamtbudget – für zwei Jahre, von unterschiedlichen Subventionsgebern – von weniger als 1,1 Millionen Schilling.
Wir haben im Laufe dieser Projekte mit dem Kärntner AutorInnen-Theater, dem ORF TheaterKlagenfurt sowie der Theaterm.b.H. Wien koproduziert. Veranstaltungen gab es in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten, Niederösterreich und Wien.
Vorbereitet werden Koproduktionen mit dem Theater Phönix in Linz und dem Kleinen Theater Salzburg. Aber nicht nur auf nationaler Ebene greift unsere Arbeit. 1996 wollen wir mit der Schweizer Schriftstellervereinigung Gruppe Olten 7 Tage neue österreichische und schweizerische Dramatik in der Schweiz und in Österreich veranstalten, der Norwegische Dramatikerverbund und die Ungarische Dramatikervereinigung sowie das Budapester Theaterinstitut haben uns im Herbst zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch eingeladen.
Die ÖDV kann aber selbstverständlich nicht die Versäumnisse der letzten 20 Jahre im wenigen Monaten aufholen. Was sie also braucht, ist auch vor allem das Engagement ihrer Mitglieder.


4. Was können die Mitglieder für die ÖDV tun?
Alles. Wir suchen!
Wir suchen ausgearbeitete oder auch weiterzuentwickelnde Konzepte für Projekte aller Art, die der Förderung der österreichischen Gegenwartsdramatik dienen!
Wir suchen engagierte Mitarbeiter bei diesen Projekten!
Wir suchen kontinuierlich Gesprächspartner, damit wir z.B. zu Fragen des Theater- und Verlagsrecht Erfahrungen sammeln können, die wiederum allen anderen zu gute kommen!
Wir suchen Mitarbeiter, die Kontakte zu den Medien haben, am besten bei solchen beschäftigt sind - demnächst wird es mit dem Dramatiker-Kongress eine große Offensive in Sachen Öffentlichkeitsarbeit geben!
Wir suchen! Ein Brief, ein Telefonanruf, ein Fax genügt!
Wir sind gesprächsbereit und offen für jegliche Mitarbeit! Danke!


Redigierte Version von: Armin Anders (Hrg.) | ÖDV-Handbuch für DramatikerInnen und TheatermacherInnen
Edition Art Science / Wiener Theater, Band 1, Erstausgabe Dezember 2000


autor: armin anders | eingestellt: 22.10.2017 | zuletzt aktualisiert: 22.10.2017
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