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Die Österreichische Dramatikerinnen Dramatiker Vereinigung
ÖDV 1993-1999



Dokumente III | Resolution vom 29.5.1995
Theater-Autor/inn/en Symposium

Autoren, die in Österreich Theaterstücke schreiben, sind mit einer Theaterlandschaft konfrontiert, die außerordentlich konservativ, mutlos und uninteressiert ist. Alle Bekenntnisse sich für die neuere österreichische Theaterliteratur einsetzen zu wollen, sind Lippenbekentnisse. (...) Konsequent verabsäumen es die Theater, Voraussetzungen für Autoren zu schaffen, Stücke schreiben zu lernen. Die Autoren gehören in die konkrete Theaterarbeit integriert.
Künstler in Österreich. Die soziale Lage (..). Salzburg, Wien 1984.

Nach nun mehr als zehn Jahren ist die Situation um nichts besser geworden. Immer noch arbeiten die meisten österreichischen DramatikerInnen von den Theatern isoliert. Elfriede Jelinek hat das einmal so kommentiert: Am Theater ist heute der Autor das Letzte. Das muss sich ändern. Es ist an der Zeit, dass Missverständnisse ausgeräumt, Hemmnisse beiseite geschafft werden, und sich zwischen den AutorInnen und den Theaterschaffenden ein offenes und kooperatives Verhältnis entwickelt. Dazu bedarf es einerseits sowohl der Bereitschaft der Theaterschaffenden, als auch der AutorInnen voneinander zu lernen, andererseits aber vor allem konkreter Modelle und Projekte.

Wir Fordern daher für Österreich

1.
Die Aufnahme folgender Passagen in die Richtlinien zur Theaterförderung:
a) Gezielte und umfassende Förderung zeitgenössischer österreichische Theaterliteratur.
b) Die Förderung spartenübergreifender theaterpraktischer Arbeit. Das setzt voraus, dass alle theatralischen Projekte gefördert werden, die den Prozesscharakter des Theaters unterstützen, mit dem Ziel der Integration aller am Theater Beteiligten und damit auch der AutorInnen.
c) Die Förderung von Aus- und Weiterbildungsprojekten.

2.
Gesetzliche Festlegung einer Mindesttantieme, die sich nach dem durchschnittlichen Regiehonorar des jeweiligen Theaters richtet und deren Finanzierung vom Subventionsgeber durch den zu gründenden Dramatik-Fonds mitgetragen wird.

3.
Einrichtung von Produktionsprämien für Uraufführungen/Wiederaufführungen von Stücken österreichischer Gegenwartsdramatiker/innen. Die Produktionsprämie sollte im Verhältnis 50:50 zwischen dem/der Autor/in und dem Theater aufgeteilt werden.

4.
Einrichtung einer HausautoInnenstelle für zwei österreichische/n AutorInnen – für entweder 6 oder 12 Monate (je nach Wunsch der Beteiligten) – an den Stadt-, Landes- und Bundestheatern. Die HausautorInnen haben vor allem die Aufgabe, an eigenen Stücken zu arbeiten, bei gleichzeitiger Möglichkeit alle das Theater betreffende Arbeitsbereiche (Dramaturgie, Regie, Licht, Ton, Bühnenbild, etc. ) kennenzulernen. Die HausautorInnen sollten auch für die österreichischen AutorInnen eine Schnittstelle sein, um über die Dramaturgie hinaus Kontakte mit dem Theater zu pflegen und neue zu knüpfen.


Wir fordern für Kärnten

1.
Einrichtung von DramatikerInnen-Stipendien. Für ein Jahr sollte es jeweils zwei Kärntner AutorInnen ermöglicht werden (finanziell unterstützt), ein Theaterstückprojekt auszuarbeiten. Die Auswahl der Projekte erfolgt durch eine unabhängige Jury. Bei Annahme eines der so entstandenen Stücke durch ein Theater übernehmen das Land Kärnten sowie der Bund jeweils 50% der Kosten.

2.
Einrichtung von HausautorInnenstellen für zwei österreichische AutorInnen – für entweder 6 oder 12 Monate (je nach Wunsch der Beteiligten) – bei einem Theater ihrer Wahl.

3.
Fortführung und Erweiterung der Veranstaltung Theater-Lese/Lese-Theater, Theater-AutorInnen-Symposions, einer DramatikerInnen-Werkstatt – in Koproduktion von Kärntner AutorInnen-Theater (KAT), der Österreichischen DramatikerInnen Vereinigung (ÖDV) und dem ORF Landesstudio Kärnten – mit einer angemessenen Budgetierung.

4.
Eine angemessene Subventionierung des Kärntner AutorInnen-Theaters durch das Land und den Bund, um eine kontinuierliche Arbeit im Sinn ihres Programms zu ermöglichen.

Kärntner AutorInnen-Theater
Österreichische Dramatiker Vereinigung
ORF Theater Klagenfurt


ForderungsKatalog ÖDV
Erarbeitet am 1. DramatikerInnenkongress 1996

1.
Wir fordern: Berechnung der AutorInnentantiemen nicht nur an den Kartenverkaufs-, sondern auch an den Subventionseinnahmen (prozentuale Beteiligung der AutorInnen am Bruttobudget einer Produktion).
1.1.
Wir fordern: Einführung einer Mindest-Tantieme. Die Höhe der Mindesttantieme soll dem am jeweiligen Theater üblichen Regiehonorar entsprechen.

2.
Wir fordern: Auflagen des Subventionsgebers für subventioniertes Theater, mindestens zweimal im Jahr zeitgenössische österreichische Theaterliteratur zu spielen sowie angemessene Maßnahmen zu setzen, um diese zu fördern.
2.1.
Ab einer mehr als 50%igen Subventionierung durch den Subventionsgeber ist ein Theater verpflichtet, einmal im Jahr einen Stückauftrag an eine/n österreichische/n AutorIn zu vergeben. Der Stückauftrag ist mit einem Honorar versehen, das auch dann ausbezahlt wird, wenn es zu keiner Aufführung kommt.
2.2.
Großbühnen sind zu verpflichten, pro Jahr zumindest eine AutorInnenanstellung vorzunehmen. Die Aufgaben des/der Autors/in sollen in einer genauen Arbeitsplatzbeschreibung fixiert werden. Eine der Aufgaben könnte sein, zwischen AutorInnen und dem Theater zu vermitteln. Die Kontinuität der Zusammenarbeit zwischen den Theatern und den AutorInnen wäre so gesichert und ein wichtiger Schritt zur Integration der DramatikerInnen in die Theater gewährleistet.

3.
Produktionsprämien für die Wiederaufführung von Werken lebender österreichischer AutorInnen, um der Tendenz entgegenzuwirken, Stücke nach der Uraufführung nicht mehr einzusetzen.

4.
Gesetzliche Verankerung einer Urhebernachfolgegebühr für dramatische Werke in Form einer Urheberrechtsabgabe auf tantiemenfreie Werke.

5.
Einrichtung eines Dramatik-Fonds, der aus folgenden Quellen gespeist wird:
a) Basisbudget des Bundesministeriums für Kunst, der Kulturämter der Bundesländer und Städte;
b) Einnahmen aus der Urhebernachfolgegebühr (siehe 4. );
c) Abgaben von subventionierten Theatern, die die in Punkt 2 genannten Auflagen nicht erfüllen, in der Höhe von 10% der gewährten Subventionen.
Aus den Mitteln des Dramatik-Fonds sollen finanziert werden:
a) Maßnahmen und Projekte, die der Ausbildung, Weiterbildung und Förderung der Dramatiker/innen dienen (z.B.: das AutorInnen-Theater, DramatikerInnen-Werkstätten und -Seminare);
b) Gastspiele österreichischer Gegenwartsdramatik im gesamten Bundesgebiet und im Ausland sowie gezielte Öffentlichkeitsarbeit zur Hebung des Ansehens der österreichischen Dramatik im In- und Ausland;
c) Bringt ein Stück nach seiner Uraufführung innerhalb eines gewissen Zeitraumes nicht einen bestimmten finanziellen Ertrag für den/die Autor/in, bekommt der/die Autor/in einen Ausgleichbetrag ausbezahlt.

6.
Ein ständigen AutorInnensitz im Bühnenbeirat des Bundesminsteriums für Kunst soll eingerichtet werden. Die ÖDV soll den/die dafür bestimmte/n Autor/in nominieren, der/die die Interessen der österreichischen AutorInnen im Bühnenbeirat wahrnimmt und vertritt.

7.
Das AutorInnen-Theater soll eine Stätte des Experiments, eine Art dramatische Versuchsanstalt sein, in der der Schwerpunkt auf dem Neuen, dem Noch-nicht-Erprobten liegt, und zwar sowohl in bezug auf die Zusammenarbeit zwischen AutorInnen und den Theaterangehörigen als auch in bezug auf die Inszenierungspraxis. In Werkstattaufführungen soll das Erarbeitete dem Publikum präsentiert werden.
Das AutorInnen-Theater soll auch ein Ort der Kommunikation, des Diskurses zwischen den AutorInnen, Theaterangehörigen und Theaterinteressierten sein. In seine Arbeit bezieht es nicht nur AutorInnen und Theaterangehörige, sondern auch Wissenschaftler, die für das Theater wichtigen wissenschaftlichen Disziplinen ein (Theaterwissenschaft, Psychologie, Soziologie etc.). Eine Zusammenarbeit mit anderen Organisationen ist dabei durchaus vorstellbar.


Redigierte Version von: Armin Anders (Hrg.) | ÖDV-Handbuch für DramatikerInnen und TheatermacherInnen
Edition Art Science / Wiener Theater, Band 1, Erstausgabe Dezember 2000


autor: armin anders | eingestellt: 15.8.2019 | zuletzt aktualisiert: 15.8.2019
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