2. Autor:
Nackter Überlebenskampf. Ich liebe solche Szenen. Das Theater als Spiegel der Existenz.
Autorin stürmt zum Bühnenrand.
Autorin:
Raum. Endlich Raum für mich. Frauen haben zu wenig Raum am Theater. Ständig sind wir bedroht, ständig werden wir unterbrochen. Jetzt ist endlich Zeit für...
Mann tritt aus dem Zuschauerraum auf die Bühne.
Mann:
Aufhören!
Autorin resignierend.
Autorin:
Schon wieder einer, der das Ende ansagt. Das wird langsam manisch.
Frau tritt aus dem Zuschauerraum auf die Bühne. 2. Autor wendet sich vom Kampfgeschehen ab.
Frau:
Ich flehe Sie an, tun Sie, was er sagt. Im Namen der Frauensolidarität, machen Sie dem hier ein Ende.
Autorin:
Wer sind denn Sie?
1. Autor und Lichttechniker beenden ihre Schlägerei und gesellen sich zu der am Bühnenrand stehenden Gruppe.
Mann und Frau gemeinsam.
Mann/Frau:
Wir kommen von da Unten.
Frau:
Und wir bitten Sie, gehen Sie nach Hause.
Mann:
Lernen Sie einen vernünftigen Beruf, oder werden sie Familienväter...
Frau:
...oder Familienmutter.
Mann:
Werden Sie Bankangestellte.
Frau:
Abenteuerreisende.
Mann:
Was immer Sie wollen. Aber machen Sie dieser Selbstinszenierung ein Ende.
1. Autor:
Wer gibt Ihnen das Recht...
Mann:
Die Eintrittskarte...
Frau:
...und die Steuerpflicht.
2. Autor:
Ein gutes Argument.
Frau:
Verlassen Sie die Bühne.
Mann:
Bitte!
Autorin:
Und wenn wir uns weigern?
Mann/Frau:
Dann gehen wir.
Lichttechniker:
Endlich jemand auf meiner Seite.
Die Frau und der Mann gehen zum rechten Bühnenrand.
Mann:
An Ihrem Licht besteht kein Bedarf. Bedanken Sie sich bei den Autoren.
Die Frau im Abgehen.
Frau:
Behaltet das Licht, das Wort. Geht nach Hause. Es ist vorbei.
Der Mann greift nach dem Schalthebel.
Mann:
Und vergessen Sie nicht: Verbrennen Sie Ihre Manuskripte.
Der Mann zieht den Hebel nach Unten. Licht aus.
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